Fireaxe "Food for the Gods" (privat, 3CDs (!), 45 tracks (!))
Fireaxe sind Gigantomanen, 2 Alben gab es vorher und jetzt dieses Monsterwerk. 3 1/2 Stunden progressiver US Metal, der mit einer unglaublich komplexen Story eine ebenso komplexe Philosophie vermitteln will. Da sag noch einer, Amerikaner seien oberflächlich. Ein Buch mit Texten liegt bei, 3 schöne Picture CDs in einer Box, von der Band zum Selbstkostenpreis. Natürlich ist die Eingängigkeit ein bißchen begrenzt. Und die Produktion klingt schon eher nach Privatpressung, aber da gibt es insgesamt nur eins: Kaufen ! (Dirk)
Girlschool : "Nightmare At Maple Cross/Take A Bite" (Sanctuary/Rough Trade; 20/71:11)
Bei diese Reissue handelt es sich um eine Compilation der beiden Alben der britischen All-Girl-Band aus den Jahren 1986 und 1988. In den informativen Liner Notes schreibt Malcolm Dome, dass beide Alben sic seinerzeit nicht sonderlich gut verkauften. An dem erdigen, rauhen Hardrock der Mädels, die damals oft mit Motörhead posierten und auch eine EP zusammen mit den Jungs machten (als "Headgirl"), kann das nicht gelegen haben. Eher scho daran, dass die Anzahl der guten Veröffentlichungen damals sehr hoch war und diese Alben in der Masse untergingen. In der retrospektiven Betrachtung kann man die Alben nun mit Abstand gemeinsam genießen, denn heute klingen sie richtig gut. Auf "Nightmare..." findet sich ein nettes Cover Mud´s "Tiger Feet" und auf "Take A Bite" ein Cover von The Sweet´s "Fox On The Run". Die eigenen Songs sind durchweg härter. Gut gefällt mir vor allem die Leadgitarrenarbeit von Chris Bonacci, die mich stellenweise ein wenig an Fast Eddie erinnert. Der Gesang von Kim McAuliffe ist in Ordnung, wenn auch nicht weltbewegend. Während "Nightmare..." noch ein wenig rauher klingt, kommt "Take A Bite" etwas glatter produziert, aber trotzdem noch in typischem Girlschool-Sound daher - vielleicht einmal von "Head Over Heels" abgesehen. Das klingt wie der Versuch eines Single-Hits. Lustig auch: ausgerechnet dieses kommerziellste Stück wurde von Lemmy mitkomponiert. Die CD kommt mit guten Liner Notes. Gewünscht hätte ich mir (wie immer) die Lyrics. Kleiner Lapsus: Auf dem Backcover sind die Tracklisten dem jeweils anderen Album zugeordnet. Kein Pflichtkauf, aber ein guter Optionskauf. (Ralph)
Glyder : "Playground For Life" (Dockyard1/?; 10/40:24)
Glyder aus Irland wurden bislang stets mit dem Vergleich mit Thin Lizzy als Vorschusslorbeeren ins Rennen geschickt. So ein Vergleich ist aber auch eine Hypothek, die sich im Falle von Glyder aber nicht negativ auswirkt, da die Jungs wirklich stark sind. Sie eifern weder naturgetreu den irischen Helden nach noch ist der Vergleich unzutreffend. Ich würde sagen, Glyder führen den Spirit solcher Bands wie Lizzy im positiven Sinne fort. Auf jeden Fall klingen sie soundmäßig eher altbacken und setzen auf den berühmten Twin Guitar, der nicht nur an Thin Lizzy, sondern auch an Iron Maiden in den Anfangstagen erinnert, als die eisernen Jungfrauen noch die Endsiebziger-Wurzeln mehr raushören liessen. Mit diesem Sound hätten Glyder wunderbar in die glorreichen Tage der NWOBHM gepasst, auch zu den anderen Bands dieser Zeit. Wie vielschichtig Glyder sind, kann man bei dem im Midtempo gehaltenen Titeltrack hören, der mit gezupften Gitarrenklängen ganz smooth beginnt und sich dann über Rockriffs weiterentwickelt, wobei dann noch die schöne Schweineorgel dazukommt, bevor das Solo beginnt, ehe danach wieder fröhlich gezupft wird, bis das Finale wieder rockt: einfach ein schweinegeiler Song. Danach folgt übrigens mit "For Your Skin" eine Ballade, die sich zum Ende hin zum Rocksong steigert. Doch keine Sorge, gerockt wird hier genug und auch die doppeläufigen Gitarren kommen nicht zu kurz. Auf jeden Fall stehen Glyder definitiv für Hardrock im Sinne der guten alten Zeit im modernen Soundgewand, soll heißen: hier gibt es keine Brat- oder Schreddergitarren, sondern gute alte Hardrockgitarren wie Ende der Siebziger. Bei dem ganzen Mist, den man heutzutage so im Metal-Bereich alles ohne Seele serviert bekommt, tut so ein Release mal wieder richtig gut. Pflichtkauf für alle augeschlossenen Hardrockfans und natürlich für alle Fans von Twin Guitars und des NWOBHM-Sounds. Bei einem solch getragenen Schlusssong wie dem harmonischen "The Merrygoround" dürfen auch Progrock-Freunde sicher ein Ohr riskieren. Ein Platz in unserem Archiv ist damit auf jeden Fall gesichert. (Ralph)
Gods of Fire: "Wrath of the Gods" (privat, 8tr, 53,09 min)
Das Cover legt erst mal Prügelthrash oder Schlimmeres nahe, aber weit gefehlt. Manilla Road fallen mir als erstes bei dieser schön aufgemachten und mit Texten versehenen Privatpressung ein. 8 überlange und sehr komplexe Songs in sehr akzeptabler Produktion und mit einem Gesang versehen, der nicht ganz so nasal daherkommt, wie Mark Shelton himself. Die Texte sind im lesens- und hörenswerten Fantasybereich angesiedelt, im Booklet ist jeweils eine Inspirationsquelle zu jedem Song aufgeführt, sehr schön. Kein Song fällt ab, nur die Pseudonyme der Musiker (Saucy Jack, DJ Blood Sacrifice) sind ziemlich blöd gewählt, aber vielleicht ist das ja der Comedy-Anteil, KAUFEMPFEHLUNG. (Dirk)
HammerFall : "Threshold" (Nuclear Blast/Warner; 11/50:34)
Dies ist das mittlerweile sechste Album der schwedischen Vorzeige-True-Metaller. Meine Güte, ich weiß noch wie ich das als Newcomer-Tipp gehandelte Debutalbum seinerzeit das erste Mal hörte. Heute gehören HammerFall dagegen schon zu den erfolgreichen alten Hasen im Metal-Zirkus. Und das vollkommen zurecht, wie auch dieses Album erneut unter Beweis stellt. Hier findet der geneigte Fan bereits in den ersten beiden Tracks "Threshold" (klingt gesungen wie "Thrash-hold") und "The Fire Burns Forever" (Achtung: Hymne) die geliebten Trademarks, die HammerFall frisch wie auf dem ersten Album präsentieren. "Rebel Inside" beginnt ruhig und entwickelt sich zum schleppenden Stampfer. "Natural High" ist die Single-Auskoppelung und verfügt auch über Hitpotenzial. "Dark Wings, Dark Words" beginnt zwar rockig, geht dann aber in eine Ballade mit gezupften Gitarren über, bei der im Refrain natürlich die Riffs härter werden. "Howlin´ With The Pac" ist ein stampfender Rocker, der sich als zweite Single empfehlen würde. "Shadow Empire" ist ein Uptempo-Rocker. Bei "Carved In Stone" hätte man sich das (überlange) Intro sparen können, ansonsten ist der Song im Midtempo gehalten - mit vielleicht etwas zu fröhlichem Refrain. "Reign Of The Hammer" ist ein Instrumental, bei dem quasi die Gitarren eine Art Gesangsmelodie übernehmen. "Genocide" bolzt dann nach ordentlichem Gitarrenintro gut drauf los und hat Hymnencharakter. Den Schlusspunkt setzt das mit Accept-artigem Riffing ausgestattete "Titan". Nach mehreren Hördurchläufen bleibt für mich unter dem Strich ein überdurchschnittliches Album, bei dem viele sicherlich angesichts der Vorgängeralben nicht bemerken werden, dass es überdurchschnittlich ist. Irgendwann wird auch HammerFall wohl der Iron Maiden-Virus befallen: man kann es nicht mehr besser machen und aufgrund der Klassiker werden Alben mit beständig hoher Qualität von einigen Fans zu Unrecht als Enttäuschung gesehen. Für andere Bands wäre das ein Hammer. Hier ist es ein weiterer Pflichtkauf. (Ralph)
Helloween : "Walls Of Jericho: Expanded Edition" (15/72:05; 7/34:35)
Helloween : "Keeper Of The Seven Keys Part I: Expanded Edition" (12/57:06)
Helloween : "Keeper Of The Seven Keys Part II: Expanded Edition" (10/55:00; 5/31:52)
Helloween : "Pink Bubbles Go Ape: Expanded Edition" (15/60:39)
(Noise/Sanctuary Records)
Die seinerzeit bei Noise erschienen ersten 4 Alben von Helloween sind jüngst von Sanctuary Records, zu denen Noise ja seit eingen Jahren schon als Unterlabel zählt, als Expanded Editions wiederveröffentlicht worden. In einer weiteren Runde stehen dann die nächsten vier Scheiben bald auch als erweiterte Wiederveröffentlichungen an.
Eines sei vorweg gesagt: wer diese Götterscheiben noch nicht sein eigen nennt, der muss sich unbedingt die ersten 3 dieser Neuauflagen besorgen. Ihr fragt euch jetzt sicher, warum denn nicht auch die "Pink Bubbles Go Ape"? Doch dazu gleich mehr.
Alle Neuauflagen sind mit erweiterten Booklets ausgestattet, in denen jeweils ein Interview von Dave Ling (Classic Rock/Metal Hammer) mit Michael Weikath zu der Phase des betreffenden Albums enthalten ist. Zudem enthalten alle Neuauflagen Bonustracks, die umfangmäßig über die bisher erschienen Versionen hinausgehen. Bei den ersten 3 Alben sind die Texte normal lesbar abgedruckt, bei den beiden Keeper-Alben sogar zusätzlich die originalen LP-Klappcover-Innenseiten im Miniaturformat. Leider enthält die "Pink Bubbles Go Ape: Expanded Edition" nur einen Miniaturnachdruck des LP-Innencovers mit den Texten. Die sind aber so klein, dass man sie nicht einmal mit einer Lupe entziffern könnte. Da hätte man sorgfältiger drauf achten müssen und die Texte wie bei den anderen Versionen normal einschließlich der Texte der Bonustracks abdrucken sollen.
Songtechnisch und vor allem bei den Bonustracks gibt es dagegen bei keiner Neuauflage etwas zu meckern. "Walls Of Jericho: Expanded Edition", auf der ja noch Kai Hansen (heute Gamma Ray)neben der Gitarre auch für den Gesang verantwortlich war, kommt als Doppel-CD mit 7 Bonustracks, die seinerzeit auch nicht auf der "extra long playing CD"-Version enthalten waren. Neben zwei Remixen und zwei Livetracks sind hier "The Oernst Of Life" und die "Metal Invaders"-Version vom "Death Metal"-Sampler sowie der "Surprise Track" erstmals dabei. "Keeper ... Part I" wartet zusätzlich mit "Victim Of Fate" und "Starlight" mit Kiske am Gesang sowie anderen Versionen von "A Little Time" und "Halloween" auf. "Keeper ... Part II" kommt als Doppel-CD mit 5 Bonustracks: neben den bekannten "Savage", "Livin´Ain´t No Crime" und "Don´t Run For Cover" sind hier die "Treasure Chest"-Remixe von "Dr. Stein" und "Keeper Of The Seven Keys" am Start. "Pink Bubbles Go Ape" hat 4 Bonustracks: die Bonustracks der "Kids Of The Century"- Single ("Blue Sude Shoes" und "Shit And Lobster") und der "Number One"-Single ("Les Hambourgeois Walkways" und "You Run With The Pack"). Manko ist hier wie oben gesagt die Aufmachung des Booklets. Ansonsten sind alle Scheiben klare Fälle nicht nur für unser, sondern auch für euer Archiv!
Hier noch meine Lieblingstracks und Anspieltipps für alle die, die diese Scheiben (vielleicht ob ihres jugendlichen Alters) noch nicht kennen:
Auf "Walls Of Jerico" (inkl. Minialbum):
"Starlight", "Victim Of Fate", "Ride The Sky", "Guardians", "How Many Tears" und "Judas"
Auf "Keeper ... Part I":
Alles!!! Besonders aber "I´m Alive", "A Tale That Wasn´t Right", "Future World" und natürlich der Longtrack "Halloween"
Auf Keeper ... Part II":
"Eagle Fly Free", "Dr. Stein", "March Of Time", "I Want Out" und natürlich der Longtrack "Keeper Of The Seven Keys"
Auf "Pink Bubbles Go Ape":
der Titeltrack als Intro/Appetizer, "Kids Of The Century", "Number One", "Mankind" und das phantastische "Your Turn"
Also dann: Kaufen! (Ralph)
Helloween : "Chameleon: Expanded Edition" (12/71:22; 8/41:25)
Helloween : "Master Of The Rings: Expanded Edition" (11/50:21 ; 7/34:42)
Helloween : "The Time Of The Oath: Expanded Edition" (12/61:36; 8/30:37)
Helloween : "Better Than Raw: Expanded Edition" (15/73:55)
(Noise/Sanctuary Records)
Nach den ersten 4 Alben von Helloween haben Sanctuary Records nun auch die nächsten 4 Alben als Expanded Editions wiederveröffentlicht. Für alle Expanded Editions gilt das Gleiche wie für die ersten 4 Neuauflagen: erweiterte Booklets, in denen immer ein Interview von Dave Ling (Classic Rock/Metal Hammer) mit Michael Weikath zu der Phase des betreffenden Albums enthalten ist, und jede Menge Bonustracks, zumeist die Stücke der Maxi-CDs oder zusätzliche Tracks der damaligen Japan-Ausgaben.
Den Anfang macht "Chameleon", seinerzeit die letzte Scheibe mit Michael Kiske als Sänger. Das Album hinterließ damals bei mir einen zwiespältigen Eindruck, tauchten hier doch plötzlich solche Sachen wie Bläsersätze auf. Michael Weikath erklärt dazu, dass Roland Grapow, Michael Kiske und er selbst jeweils 4 Songs einbringen konnten und jeder auch für sich egoistisch an seinen Songs feilte, ohne die anderen zu beteiligen. Trotzdem finde ich Songs wie "First Time", "When The Sinner", "I Don´t Wanna Cry No More", "Windmill" oder "Music" nach wie vor gut, wenn das auch nicht mehr die Helloween waren, die man bis dahin kannte. Als Bonustracks gibt es die Non-Album-Tracks der 3 Singles, als da wären: "I Don´t Care You Don´Care" und "Oriental Journey" von der "When The Sinner"-Single, "Cut In The Middle", Introduction" und "Get Me Out Of Here" von der "Windmill" -Single sowie "Red Socks And The Smell Of Trees" und "Ain´t Got Nothin´ Better" von der "I Don´t Wanna Cry No More"-Single. Dazu kommt die Demoversion von "Windmill". Auf jeden Fall value for money.
"Master Of The Rings" war dann das erste Album mit Andi Deris am Mikro und Uli Kusch am Schlagzeug. Das Album klang jedenfalls deutlich mehr wie aus einem Guss als der Vorgänger "Chameleon". Trotz allem waren es auch hier nur einige Songs, die mich überzeugen konnten. Dazu gehörten "Where The Rain Grows", "Why" und "In The Middle Of A Heartbeat". Besonders gut sind hier die Bonustracks, die wiederum Non-Album-Tracks der Singles sind: "Can´t Fight Your Desire" und "Star Invasion" von der "Mr Ego"-Single, das Thin Lizzy-Cover "Cold Sweat", "Silicon Dreams" und "Grapowski´s Malmsuite 101" von der "Perfect Gentleman"-Single sowie das Kiss-Cover "I Stole Your Love" und "Closer To Home" von der "Sole Survivor"-Japan-Single. Zusammen mit den Bonustracks der zweiten CD ist diese Veröffentlichung wirklich stärker als das Original.
Auf "The Time Of The Oath" waren für meinen Geschmack dann wieder mehr starke Stücke an Bord. Doch auch hier war nicht mehr alles top. Besonders gut gefallen mir nach wie vor "Before The und die Ballade "Forever And One (Neverland)" sowie das Titelstück. Auf der zweiten CD findet ihr mit "Still I Don´t Know" und "Take It To The Limit" zwei bislang Japan-only-Bonustracks, das Priest-Cover "Electric Eye" und das Jean-Michel Jarre-Cover "Magnetic Fields" von der "The Time Of The Oath"-Single, ""Rain" und "Walk Your Way" von der "Power"-Single sowie "Light In The Sky" und "Time Goes By" von der "Forever And One (Neverland)"-Single. Auch dazu kann man wohl nur value for money sagen.
Zum Schluss kommt die Neuauflage von "Better Than Raw", die einzige einfache CD gegenüber den drei anderen Doppel-CDs. Die Scheibe hatte ich mir im Original schon nicht mehr zugelegt. Die EntscheidungWar" bereue ich auch nach Vorliegen der Expanded Edition nicht. Am ehesten können mich noch die Singles "Hey Lord!" und "I Can" sowie das komplett in Latein (!) gesungene "Lavdate Dominvm" (sogar mit der originalen Schreibweise "v" für "u") erwärmen, das auch instrumental Old School Helloween ist – sicher der beste Song auf dem Album. Ansonsten zeigen sich z.B. bei dem an sich nicht schlechten "Midnight Sun" die stimmlichen Limitierungen von Andi Deris in den höheren Gefilden – absolut kein Vergleich zu der Leichtigkeit, mit der ein Michael Kiske diese Sphären erreicht. Als Bonustracks sind hier "Back On The Ground", ein bis dato Japan-only-Bonustrack, "A Game We Shouldn´t Play" von der "I Can"-Single sowie eine Live-Version von "Perfect Gentleman" und das Live-Drum-Solo "Moshi Moshi-Shiki No Uta" von der "Hey Lord"-Single an Bord. Auf dieses Album kann man am ehesten verzichten. Die drei anderen sind – trotz einiger qualitativer Abstriche gegenüber den ersten 4 Alben – auf jeden Fall essentiell. (Ralph)
Helloween : "Keeper Of The Seven Keys - The Legacy" (Steamhammer/SPV) (6/38:58; 7/38:47)
Etwas muss ich vorweg einräumen: als ich von der Veröffentlichung eines dritten Keeper-Albums Notiz nahm, dachte ich das kann nur in die Hose gehen. Dazu kommt, dass ich ein ausgewiesener Fan der Kiske-Ära bin und nie so richtig warm mit der nachfolgenden Deris-Phase geworden bin - zu übermächtig schien der Schatten. Beim ersten Höreindruck musste ich dann aber doch zugeben, dass die heutigen Helloween es mit dem aktuellen Doppelalbum zumindest geschafft haben, das bisher überzeugendste Werk der Post-Kiske/Hansen-Phase vorzulegen. Zu vielfältig und interessant sind die fast durchgängig gelungenen Kompositionen, als dass man Helloween´s finales Keeper-Album ignorieren könnte. Hier und da schimmern Erinnerungen an die alten Tage durch gepaart mit den besseren Momenten der Deris-Phase, bei der bislang die Studiowerke nie in der Gesamtheit, sondern immer nur einzelne Songs überzeugen konnten. Dabei wird sogar die Keeper-Story gleich im Opener "The King For A 1000 Years" wieder aufgegriffen. Trotz allem kann ich mich nicht zu einem Pflichtkauf durchringen, sehe das Album aber als guten Optionskauf. Eine Frage bleibt aber: wieso eigentlich eine Doppel-CD, es hätten doch alle Songs auf eine CD gepasst, oder? (Ralph)
Ken Hensley : "Elements - Anthology 1968 To 2005" (Castle Music/Sanctuary; 18/77:21, 18/76:29)
Castle würdigen nun das Werk von Ken Hensley mit einer zwei Discs umfassenden Antology. Diese reicht von den mit jeweils einem Track vertretenen Bands der Phase vor seinem Einstieg bei Uriah Heep (Gods, Head Machine und Toe Fat) bis ins Jahr 2005. Große Teile stellen natürlich Uriah Heep-Stücke aus seiner Feder sowie Stücke aus seinen Solowerken dar, letztere aus allen Phasen, also sowohl während der Heep-Tage als auch nach seinem Ausstieg. Vor der Schaffenskraft und den starken Kompositionen des Ken Hensley habe ich schon immer meinen Hut gezoge. Bei der Auswahl werden sicher jedem irgendwelche Stücke fehlen. Mit "Send Me An Angel" ist auch ein Stück aus seiner Zeit bei Blackfoot dabei. Der Clou ist jedoch das Booklet mit dem darin abgedruckten Interview, das der bekannte Musikjouranlist Dave Ling mit Ken Hensley geführt hat. Dave stellt Ken dabei Fragen zu allen Stücken der Anthology und damit auch zu allen Phasen. Dazu kommen Kens offene und interessante Antworten. So spricht Ken bei den Stücken des "Free Spirit"-Soloalbums darüber, dass er zu der Zeit damals kokainsüchtig war. Besonders denen, die weder Uriah Heep noch Kens Soloalben vollständig im Schrank stehen haben oder gar nicht kennen, sei dieses Werk als Einstieg in das musikalische Werk eines Mannes empfohlen, der sicher nicht nur mit "Lady In Black" echte (Hard)Rockgeschichte geschrieben hat. Den Rock/Hardrock der 70er Jahre sollte man aber schon mögen oder entdecken wolen. Für mich ist das eine über 150 Minuten lange, schöne Zeitreise durch die Karriere eines begnadeten Musikers. (Ralph)
Holy Martyr "Vis et honor" (privat, ltd 500, 4tr, 21min)
Die dritte limitierte Privatpressung in Folge von Holy Martyr, Italiens Bollwerk gegen Tralala-Speed. Irgendwo zwischen Cirith Ungol und Manilla Road sind die 4 langen tracks angesiedelt. Ein tolles Cover, abgedruckte Texte, eine akzeptable Produktion und Atmosphäre satt. Eine von wenigen echten Metalbands mit 3 CDs in Folge ohne den winzigsten Drachen und bestimmt die einzige Band mit 3.500er Auflagen mit Einzelnummerierung in Folge. (Dirk)
Hotwire-Special:
Hotwire-Hotwire (privat, 1994, 3tr, 13'22min) In Ingolstadt machten sich ein paar Recken im Netzhemd mit verspiegelten Sonnenbrillen auf, um dem Rest der Welt zu zeigen, was melodischer Hardrock ist. Diese EP ist mittlerweile recht selten und deutet folgende Großtaten nur zart an. Hotwire (privat, 1995, 10tr, 45'00min) zeigt da schon deutlicher den Weg. Ein Cover, das zeigt, daß der Schwerpunkt des Images der Band eher unter der Körpermitte zu suchen ist, untermalt powervollen Hardrock, der damals gerade leider überall von karohemdenbewehrten weinerlichen blassen Typen mit fettigen Haaren abgelöst worden war. Umso höher muß man der Band die musikalische Ausrichtung anrechnen. Es geht in die Richtung Bonfire, Fate und Domain und jede Menge gute Laune. Was Klinsi den Deutschen erst Jahre später gebracht hat, hätten sie von Hotwire schon 11 Jahre früher lernen können. "Face another day" (privat, 1998, 11tr, 45'33min) widersetzt sich ebenso allen Trends und bietet Hardrock mit der Grundeinstellung 'Yippiaieah, ich komme' mit hochklassigen Songs in gewohnter Manier. "Middle of nowhere" (Point, 2001, 11tr, 39'45min) kann man nochmals als Steigerung zu den Vorwerken verstehen und bietet auch noch eine eigenständige AC/DC-Coverversion. Welche Band sonst kann einem Young/Young-Song schon eine eigene Note geben? Es gibt aufgrund des Splits noch eine andere Version der CD mit dem Titel Werner Stadi's Hotwire. "Devil in disguise" (privat, 2005, 11tr, 45'50min) zeigt die Band leicht verändert. Eine Prise mehr Bombast und Metal haben Einzug gehalten. Und auch dies meistern Hotwire grandios. Das sexy Cover paßt gut zur Musik. Wer Hotwire nicht kennt, hat wirklich einen Meilenstein im Melodic Rock verpaßt. Die Band hätte einen ganz anderen Status verdient und gehört wenigstens in die Liga der mit ihnen befreundeten Bonfire. (Dirk) Anmerkung von Ralph zu Hotwire´s "Devil In Disguise"-Album: Im Grunde hat Dirk ja schon alles auf den Punkt gebracht. Mir ist nur das aktuelle Werk bekannt. Dabei hat mich das Gitarrenspiel von Alex Espinosa bereits beim Opener an eine andere Band erinnert. Doch erst beim zweiten Track bin ich drauf gekommen: White Lion mit dem Akkorde auflösenden Spiel von Vito Bratta, der ja wohl heute nix mehr macht. Auch George Lynch scheint der gute Alex auf den alten Dokken-Scheiben gut zugehört zu haben. Auch von dem hört man heute solche Musik nicht mehr. Umso besser, dass Alex einem ähnlichen Sound wie die beiden vorgenanten Herren frönt. Doch Hotwire darauf zu reduzieren wäre unfair. Neben Fans von Bonfire & Co. Sollten aber auch Fans des weißen Löwen oder der Dokken-Frühphase mal ein Ohr riskieren. Schön, dass mit "Wonderland" auch gemäßigteren, genrefremden Klängen (Indie/Wave a´la Fury In The Slaughterhouse, U2 etc.) gehuldigt wird. Das Cover von T. Rex´ "Hot Love" finde ich dagegen nicht so dolle. Da ist die zweite Coverversion mit "Ride The Night Away" (was für ein genialer doppeldeutiger Titel...) aus dem Hause der Gebrüder van Zant weitaus besser gelungen. Diese Scheibe gehört in jede gut sortierte Melodic Rock-Sammlung. Pflichtkauf! (Ralph)
House Of Lords : "Come To My Kingdom" (Frontiers/Soulfood; 14/57:42)
Da ist sie nun, die zweite Scheibe der neu um Sänger und letztes Gründungsmitglied James Christian gruppierten House Of Lords. Und man kann nur sagen, dass sie die Erwartungen noch bei weitem übertrifft. Es gelingt dieser Besetzung sogar, an den Glanz des ersten Albums anzuknüpfen und dessen Sound in dieses Jahrtausend zu übertragen. Bereits beim Titeltrack und Opener - zählt man das Intro mal nicht mit - bestätigt sich, dass man es hier nicht wie z.B. bei Mike Tramp und seiner version von White Lion mit einem Abklatsch des einstigen Glanzes zu tun hat, sondern mit einer Höchstleistung. Auch ein Song wie "Another Day From Heaven" hat das Zeug dazu, an solche Perlen wie "Love Don´t Lie" anzuknüpfen (das nicht einmal von HOL, sondern von Stan Bush komponiert wurde). Dazu ist der Song als Bonus der europäischen Version noch in einem Acoustic Remix vorhanden. Ich weiß gar nicht, welchen Song ich noch hervorheben kann, denn ich finde hier keinen Ausfall oder Füllmaterial. Vielleicht mag "Even Love Can´t Save Us" noch als Anspieltipp dienen. Neben James Christian weiß übrigens auch wiederum Gitarrist Jimi Bell auf voller Linie zu überzeugen. Auf jeden Fall ist das Ergebnis dieser Rezension klar: die Scheibe ist ein eindeutiger Kandidat für den dauerhaften Einzug in unser Archiv und natürlich ein absoluter Pflichtkauf für alle Freunde gepflegten melodischen Hardrocks guter alter Machart. Well done! (Ralph)
House Of Lords" : "World Upside Down" (Frontiers/Soulfood) (13/57:17)
Nachdem beim Vorgänger "The Power And The Myth" bis auf Gregg Giuffria die komplette Originalbesetzung dabei war, hat James Christian nun eine neue Hintermannschaft am Start und just jenen Keyboard-Meister dabei, der beim letzten Mal fehlte. So richtig Mitglied scheint Gregg nicht zu sein, aber egal. Nach kurzem Intro gehen HOL mit "These Are The Times" gleich kraftvoll in die melodischen Vollen. Über allem thront die starke Stimme von James Christian. Auch der neue Gitarrist Jimi Bell gefällt mir gut, spielt druckvoll. "All The Way To Heaven" mischt balladeske Parts mit starken Hooklines, dass es eine wahre Freude für die Ohren ist. Am Anfang von "Fields Of Shattered Dreams" zeigt Jimi Bell, dass er auch ordentlich klassisch auf der Akustischen klimpern kann, ehe es in getragenen, balladesken Melodic Rock übergeht. Ordentliches Riffing gibt es in "I´m Free", während "All The Pieces Falling" in akustischem Gewand daherkommt mit Led Zep-Einflüssen. "Rock Bottom" hält dann mit Double Bass Drum Intro, was der Titel verspricht. Am Anfang von "Million Miles" glaubt man erst an eine Kuschelballade, ehe sich der Song nach kurzer Zeit als waschechter Melodic Rocker mit klasse Hookline entpuppt. Auch "Your Eyes" ist Melodic Rock pur mit Hooks und Chorgesang. "Ghost Of Time" schließt sich nahtlos an die beiden Songs zuvor an. "My Generation" ist ein wenig heftiger. "SOS" ist kein Abba-Cover, sondern Mlodic Rock mit fetten Hooks. Den Schlusspunkt setzt der besinnliche Titeltrack. Genau so wie auf diesem Album wollen wir HOL hören. Pflichtkauf! (Ralph)
Icarus Witch : "Songs For The Lost" (Cruz Del Sur Music/Alive; 10/46:43)
Icarus Witch frönen dem klassischen Hard Rock und haben bereits eine EP ("Roses On White Lace") und ein richtiges (Debut-)Album ("Capture The Magic") auf der Habenseite ihres Erfolgskontos vorzuweisen. Die beiden vorgenannten Werke kenne ich nicht, aber da scheine ich nach dem ersten Lauschangriff in den Opener "Out For Blood" des zweiten Albums "Songs For The Lost" eine Menge verpasst zu haben. Wo mir das Info den klassischen Hard Rock noch in die Nähe von Queensryche stellt, da höre ich eher Parallelen zu frühen Maiden der ersten Jahre mit Dickinson - so in der Art von "Piece Of Mind". Auf die eisernen Jungfrauen haben sich schließlich auch Queensryche in den Anfangstagen als Einfluss berufen. Dazu passen auch der wummernde, melodische Bass und die Twin Guitars (!!!) bei Icarus Witch. Diese Reminiszenzen folgen auch im zweiten Song "Written In The Stars". Dazu muss man deutlich sagen, dass Icarus Witch aber auf gar keinen Fall kopieren, weder Maiden noch Queensryche, zu denen erstmals beim dritten Song "The Sky Is Falling" Querverweise möglich sind. Was bleibt, ist unter dem Strich ein starkes Album, was meiner Meinung nach in dieser Form weder die Herren Harris, Dickinson & Co. noch die Herren Tate & Co. noch unter die Leute bringen. Wozu also sein sauer verdientes Geld den alten Säcken in den Rachen werfen (gut, das tun wir alle zumindest bei Maiden trotzdem...)? Gebt es lieber für Icarus Witch aus, denn die sind ein absoluter Pflichtkauf und ziehen als Nachwuchskräfte demnächst ins Archiv ein. Und die schaffen das auch ganz locker nur zu viert. Ach ja, ne Coververion von Def Leppard´s "Mirror Mirror" ist auch auf der Scheibe. Ist ganz okay, wenn auch nicht essentiell. (Ralph)
In Exile: "Hours passed in exile" (privat, 10tr, 46'16min)
Vom Cover her hätte ich unglaublich komplexen Prog erwartet. Oder Düsterzeugs. Zum Glück ist es aber technisch anspruchsvoller Metal mit lesenwerten Texten, einem sehr amtlichen Rhythmusteppich und etwas knödeligem Gesang, der aber sicher Vielen gefallen wird. Sehr hörbar, ein kleiner Tick kann auf dem Sektor Wiedererkennungswert noch nachgelegt werden. Auf jeden Fall aber eine CD, die Spaß macht. Für ein Privatwerk eine formidable Produktion (Dirk)
Infinity's Call: "Light in the dark" (RockWerk, 2004, 13tr, 51'43min)
Ach Du Sch****, Oberstufenmetal, dachte ich, als ich das Cover sah ... und wurde sehr schnell eines Besseren belehrt. 13 Songs auf einer Eigenpressung bedeuten meistens Selbstüberschätzung als Songwriter ... aber auch hier liege ich daneben. Musikalisch fühle ich mich an Magnum zu besten Zeiten erinnert. Respekt. 13x melodischer Metal / Hardrock mit durchweg guten Instrumentalisten, einem sehr guten Sänger (siehe Magnum), einer sehr guten Produktion und einem angemessenen Artwork (auf den zweiten Blick) runden eine CD voller Höhepunkte ab. Kein Song ist verzichtbar, hoffentlich der Beginn einer Jahrzehnte währenden Reihe von Veröffentlichungen. Hallo, Leser, kaufen, hören! (Dirk)