Abstract Rapture : "Democadencia" (Maddening Media/Alive; 11/54:46)
Aus Luxemburg kommt dieser Fünfer, der den heftigeren Metal-Klängen frönt. Besonders gut gefallen hat mir schon beim Reinschieben der CD das Design: die CD sieht aus wie das Testbild im TV...coole Sache. Die Songs kommen im deftigen Thrash Metal mit meist Hardcore-lastigem "Gesang" (um nicht Gebrüll zu sagen) daher, was mich ein wenig an alte Sepultura zu den Zeiten bis zur Chaos AD-Scheibe erinnert - ist ja nicht die schlechteste Referenz. Einzig das Intro von "Carpe Noctem" erinnert mehr an frühe Black Sabbath, was sich jedoch mit Beginn der eigentlichen Songstruktur ändert. Neben dem Thrash Metal-Anteil mit brutalerem Gesang ist da gelegentlich auch noch ein melodischerer Gesang am Start, der ein wenig in die Emo-Richtung geht, so wie der melodischere Gesang bei Linkin Park - natürlich nicht so kommerziell. Insgesamt ist die Scheibe wirklich interessant und gut geraten. Immerhin hat die Band es ja auch geschafft, den luxemburgischen Wacken Metal Battle zu gewinnen. Ergo ein Debutalbum, was ich für die Freunde der angesprochenen Klänge nur als Pflichtkauf empfehlen kann. (Ralph)
House Of Lords : "Come To My Kingdom" (Frontiers/Soulfood; 14/57:42)
Da ist sie nun, die zweite Scheibe der neu um Sänger und letztes Gründungsmitglied James Christian gruppierten House Of Lords. Und man kann nur sagen, dass sie die Erwartungen noch bei weitem übertrifft. Es gelingt dieser Besetzung sogar, an den Glanz des ersten Albums anzuknüpfen und dessen Sound in dieses Jahrtausend zu übertragen. Bereits beim Titeltrack und Opener - zählt man das Intro mal nicht mit - bestätigt sich, dass man es hier nicht wie z.B. bei Mike Tramp und seiner version von White Lion mit einem Abklatsch des einstigen Glanzes zu tun hat, sondern mit einer Höchstleistung. Auch ein Song wie "Another Day From Heaven" hat das Zeug dazu, an solche Perlen wie "Love Don´t Lie" anzuknüpfen (das nicht einmal von HOL, sondern von Stan Bush komponiert wurde). Dazu ist der Song als Bonus der europäischen Version noch in einem Acoustic Remix vorhanden. Ich weiß gar nicht, welchen Song ich noch hervorheben kann, denn ich finde hier keinen Ausfall oder Füllmaterial. Vielleicht mag "Even Love Can´t Save Us" noch als Anspieltipp dienen. Neben James Christian weiß übrigens auch wiederum Gitarrist Jimi Bell auf voller Linie zu überzeugen. Auf jeden Fall ist das Ergebnis dieser Rezension klar: die Scheibe ist ein eindeutiger Kandidat für den dauerhaften Einzug in unser Archiv und natürlich ein absoluter Pflichtkauf für alle Freunde gepflegten melodischen Hardrocks guter alter Machart. Well done! (Ralph)
Pharaoh : "Be Gone" (Cruz Del Sur/Alive; 9/47:13)
Nach dem erfolgreichen Vorgängeralbum "The Longest Night" waren meine Erwartungen an das neue Album von Tim Aymar & Co. doch schon etwas höher. Doch Pharaoh haben diese Hürde locker gemeistert. Die Reminiszenzen an Iron Maiden sind weniger geworden, dafür klingen mehr andere Untertöne des traditionellen Heavy Metals durch. Unterm Strich hat die Truppe meines Erachtens an Eigenständigkeit dazugewonnen. Vor allem Sänger Tim Aymar scheint noch ausdrucksstärker und varaibaler geworden zu sein. In dem Überhammer dieses Albums, dem siebenminütigen "Buried At Sea", erinnert er mich stellenweise an Jorn Lande (!), was aber nur eine Facette seiner Bandbreite ist. Wie man mit nur einer Gitarre (Matt Johnsen) und einem wuchtigen Bass (Chris Kerns) so ein Klangspektrum fabrizieren kann, ist auch schon beindruckend. Ich glaube ja, dass der melodische Bass (wie bei Maiden) ein Geheimnis des Erfolges ist. Zu "Dark New Life" hat die Riot-Gitarrenabteilung Mark Reale und Mike Flyntz einen Gastbeitrag geliefert. Überaus gelungen ist auch das mit einem Akustik-Intro beginnende "Cover Your Eyes And Pray". Als Rausschmeißer fungiert dann der vielschichtige Titeltrack. Wer auf gut gemachten melodischen epischen Heavy Metal steht und Wert auf Abwechslung zwischen schnellen und getrageneren Songs legt, der ist bei Pharaoh genau richtig. Pflichtkauf für alle traditionellen Metaller. (Ralph)
StormWarrior : "Heading Northe" (Dockyard1/Soulfood; 11/45:22)
StormWarrior legen mit "Heading Northe" bereits ihr drittes Album vor und huldigen vom Image her der nordischen Mythologie. Musikalisch klingen sie eher wie eine Weiterentwicklung früher Helloween zu "Walls Of Jericho"-Zeiten. Genau dieser Ära haben sie wohl auch schon zusammen mit Kai Hansen gehuldigt und mit ihm Klassiker dieser Zeit live gespielt. Wenn man dann sieht, dass Piet Sielck dieses Album gemixt und Tommy Hansen das Mastering besorgt hat, dann weiß man, wo der Hase lang läuft. Anders als Kai´s Truppe Gamma Ray als legitimer Nachfolger der frühen Helloween selbst gehen StormWarrior bei der Verwaltung dieses Erbes noch direkter zu Werke, sind aber sicher artverwandt zu Gamma Ray. Ich würde aber sagen, dass die Bands sicher eher ergänzen als konkurrieren (den Wettstreit kann man ja auch nicht gewinnen, wenn das Original mit Kai Hansen noch mitmischt). Außerdem haben StormWarrior einen epischeren Touch und sind den ein Pflichtkauf für Fans des teutonischen melodischen Speed Metals. (Ralph)
Virgin Steele : "Noble Savage" (Dockyard1/Soulfood; 18/78:33; Re-Release)
Virgin Steele : "Age Of Consent" (Dockyard1/Soulfood; 18/79:11; Re-Release)
Angekommen bei einer neuen Company legt David DeFeis die Klassiker "Noble Savage" und "Age Of Consent" nochmals neu auf. Beide haben jeweils neue Liner Notes, die bei ersterem kurz und bei letzterem ausführlicher ausgefallen sind. Auch gesellen sich pro Album zwei neue Bonustracks dazu. Im Falle von "Noble Savage" ist dies der Roman Sword Re-mix von "Fight Tooth And Nail" und ein Early take & mix des Titeltracks. Bei "Age Of Consent" ist mit "Screaming For Vengeance" ein weiteres Judas Priest-Cover am Start ("Desert Plains" ist ja ohnehin schon auf dem Album) und ein Song namens "The Curse". Ach ja: bei "Noble Savage" wurde das Original-Cover durch ein Bandfoto ersetzt, warum auch immer (waren bestimmt rechtliche Gründe...).
Zur Musik muss man glaube ich nicht mehr viel sagen, denn die hat ja schon Kultstatus. Mit "Noble Savage" haben Virgin Steele ja quasi den Weg in die heutige Richtung eingeschlagen. Wenn man das Ende des Titeltracks hört, klingen spätere Werke wie "The Marriage Of Heaven And Hell" schon an. Doch zu dem Album selbst: hier sind die Klassiker wie "We Rule The Night", "Noble Savage", Fight Tooth And Nail" oder "Don´t Close Your Eyes" versammelt, um nur einige zu nennen. Die Platte läuft wie aus einem Guss durch.
Das kann man von "The Age Of Consent" nicht ganz behaupten, was aber komischerweise überhaupt nich an den eigenen Klassesongs wie "The Burning Of Rome", "Lion In Winter", "Perfect Mansions" oder "On The Wings Of The Night" liegt, sondern an den Coverversionen. Als erstes stört mich das zwar schon ziemlich am Ende als Nr. 12 angesiedelte Heep-Cover "Stay On Top" von deren "Head First"-Album. Der Song ist gegenüber den komplexen VS-Werken viel zu geradlinig. Dann sind da noch die eingangs schon erwähnten Judas Priest-Cover, von denen mir "Desert Plains" noch eher zusagt. "Screaming For Vengeance" ist zwar ganz nett, passt aber nicht unbedingt in eine VS-Platte rein. Ist ja Gott sei Dank am Ende der Scheibe. "The Curse" als letzter Song ist dann wieder etwas eigenes aus den Archiven, laut David DeFeis bei einem Jam im Studio mit Gitarrist Edward Pursino entstanden, während man gerade einen sehr guten Merlot genossen hat (für alle Kulturbanausen und Biertrinker: das ist eine Weintraubensorte, die zu einem guten Rotwein führt). Gegenüber "Noble Savage" ist "Age Of Consent" natürlich eine Weiterentwicklung, die auch deutlich besser produziert ist. Das mit den Coverversionen ist nur eine vergleichsweise kleine Kritik an einem sonst natürlich Super-Album. Irgendetwas findet man ja immer zum Meckern, oder?
Beide Alben gehören, sofern ihr sie sträflicherweise noch nicht besitzen solltet, in dieser nun definitiven, die Maximalzeit der CD ausnutzenden Version natürlich nicht nur in unser Archiv, sondern als absoluter Pflichtkauf auch in euer heimisches CD-Archiv. (Ralph)
White Lion : "Return Of The Pride" (Frontiers/Soulfood; 11/57:35)
Also dies hier ist wirklich eine zwiespältige Sache. Vergleicht man das Album mit anderen Veröffentlichungen aus dem Bereich des melodischen Hardrocks, so erwartet den (unvorbelasteten) Hörer sich ein solides Album aus diesem Genre - mehr aber auch nicht. Viel schlechter wird es allerdings, wenn man als Messlatte ob der unglücklichen Namenswahl die anderen Alben der richtigen White Lion (also mit Vito Bratta & Co.) heranzieht. Dann bleibt unterm Strich nämlich das schlechteste White Lion-Album aller Zeiten, dass trotz Anspielung auf das "Pride"-Album mitnichten an alte Glanztaten anknüpfen kann. Denn dazu bedarf es sicher mehr als nur der Stimme von Mike Tramp. So fehlt vor allem die charakteristische Gitarrenarbeit von Vito Bratta, dem der aktuelle Gitarrist Jamie Law nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen kann. Mike Tramp wäre sicher besser beraten gewesen, das Ganze unter seinem Namen oder zumindest unter Zusatz seines Namens a´ la Mike Tramp´s White Lion herauszubringen. So muss ich als Maßstab nun die anderen Scheiben des weißen Löwen nehmen. Das führt zu dem Ergebnis, dass dies ein verzichtbares Album ist, das ich mir nicht gekauft hätte. Wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht so macht auch ein Mike Tramp noch keinen weißen Löwen. Wie man als Sänger und einzig verbliebenes Gründungsmitglied an glorreiche Zeiten wieder anknüpfen kann, das kann sich Mike Tramp am positiven Beispiel von James Christian angucken, der es mit neuer Mannschaft hinbekommen hat, den Sound der alten House Of Lords fortzuführen. Aber das ist eine andere Kritik. (Ralph)