Saga : "Trust" (InsideOut/SPV) (11/49:26)
Bereits nach den ersten Tönen des Openers "That´s As Far As I´ll Go" kommt mir der Gedanke, dass Saga endlich mal wieder ein ganz großes Werk gelungen ist. Nach dem ersten Hördurchlauf des ganzen Albums steht dann für mich fest, dass die Kanadier es überraschend geschafft haben Songs zu schreiben, die zum einen ihre Trademarks wie Ian Crichton´s typische Gitarrenlicks (astrein zu hören in "Back In The Shadows"), die vielfältigen Keyboardsounds und natürlich Michael Sadler´s Stimme in Hochform beinhalten, die zum anderen aber auch zeitgemäßer und moderner klingen. Letzteres hört man beispielsweise in dem leicht funkigen "Time To Play" oder in dem schönen ruhigen "My Friend", wo auch Holzblasinstrumente zu hören sind. Ein Knaller ist auch der Titelsong, bei dem der Titel im Refrain ordentlich reingeshoutet wird. Das Werk schließt eigentlich nahtlos zu den Klassikern auf. Ist natürlich ein Fall für den Einzug und dauerhaften Verbleib im Archiv. Klare Anschaffung! (Ralph)
Saint Deamon : "In Shadows Lost From The Brave" (Frontiers/Soulfood; 12/45:42)
Saint Deamon bestehen weitgehend aus bekannten Migliedern: Sänger Jan Thore Grefstad kennt man von Highland Glory, Bassist Nobby Noberg und Drummer Ronny Milianowicz von Dionysus, nur Gitarrist Toya Johannsson ist wohl bisher weniger aufgefallen, soll aber schon mit Sinner, Ride The Sky und Joacim Cans komponiert haben. Irgendwo schimmert teilweise auch der berüchtigte Helloween-Faktor durch. Die Songs sind auch ganz nett, können aber im großen Sumpf der Veröffentlichungen nicht besonders aus der Masse herausstechen. Dazu kommt, dass Jan Thore Grefstad in den höheren Lagen unangenehm zu kreischen beginnt. Da sollte er sich besser auf die von ihm beherrschten Tonlagen beschränken, denn da klingt er wesentlich besser. Alles in allem eine Scheibe, die ich mir sicher nicht kaufen würde. Da greift der geneigte Fan melodischen Hardrocks auf jeden Fall besser nach Leverage. (Ralph)
Seventh Calling : "Monuments" (Melissa Records/Alive; 12/49:20)
Die beiden Gitarristen und Sänger Lance C. Lange und Steve Handel bilden quasi die Doppelspitze dieses US-Quartetts, das sich auf Bands wie Judas Priest, Iron Maiden, Dio, Fates Warning, Metal Church, Crimson Glory und Fifth Angel als Einflüsse beruft. Schwierige Mischung, würde ich sagen. Die frühen Fates Warning kann ich am ehesten heraushören, auch schimmern Metal Church ab und an durch. So scheinen mir Seventh Calling doch mehr im progressiven US-Metal unterwegs zu sein, als an die genannten NWOBHM-Ikonen zu erinnern. Ganz okay, aber kein "must have", sondern ein Optionskauf. (Ralph)
Sextiger: "Bad boys, power and some more..." (Rocktiger, 2002, 20tr)
Partyrock aus Österreich und er macht wirklich Freude. Die CD enthält die Frühphase der Band, das heißt die 7' Marianne (wie kann man seine erste 7' nur so nennen ?) von 1986, die zweite 7' 'Too late' von 1987 und die mittlerweile ebenfalls sehr rare LP 'Bad boys' von 1989, sowie 7 weitere tracks. Die Musik pendelt zwischen Accept, Motörhead, Status Quo und EAV. 'Black Knight' zu covern ist zwar eher mäßig originell, aber alles in allem hörenswerte 80er Partymucke. Chris Bauer ist ein wirklich passender Sänger mit Sex, Drugs and Rock and Roll in der Stimme. Mittlerweile schon schwer zu bekommende CD. (Dirk)
Shooting Star : "Circles" (Frontiers/Soulfood; 10/52:05)
Die Truppe um Gitarrist Van McLain existiert wohl schon seit 27 Jahren. Neu an Bord ist Sänger Kevin Chalfant (Ex-The Sorm, Two Fires). Während der Opener "Runaway" noch im Fahrwasser von Rainbow und Deep Purple schwimmt, klingt der Rest oft auch nach Journey und Kansas. Vor allem letztere schimmern oft durch, da mit Shane Michaels auch ein Violinist dabei ist und auch Kevin Chalfant auf dieser Scheibe verdammt oft an Steve Walsh erinnert. Rockige und besinnlichere Momente wechseln sich ab. Höhepunkte sind für mich unter anderem "Trouble In Pradise", "Temptation", "Without Love" und "We´re Not Alone". Pflichtkauf für Melodic Rock Fans. (Ralph)
Sick-U-R: "MMIV" (privat, 2004, 5 tr, 26'34min)
In jedem Mah wird der blöde Name der Band erwähnt, der überhaupt nicht zur Musik paßt, und was soll ich sagen, die Mags haben recht. Das nächste Album wird auch unter neuem Namen eingespielt. Die Musik klingt so, als hätten die Musiker die kompletten Werke von Gamma Ray, Uriah Heep, aber auch Night Wish im Schrank stehn, eas ja kein Fehler ist. Auf fünf Songs wird Metal geboten, der irgendwie italienisch klingt, kein Wunder, wenn der Sänger Sandro heißt. Herausheben kann ich noch keinen Song, da gibt es noch Bedarf an Originalität. Dieser wird aber mit der nächsten CD nachgeliefert (s.u.) (Dirk)
Sick-U-R: "Zero hour" (privat, 2005, 8tr, 44'35min)
Man hat ein bißchen Savatage gehört, Steel Prophet und Leviathan (US) und von denen gelernt, wie man erstklassige Songs an den Start bringt. Versteht mich nicht falsch, hier sind keine Imitationen am Werk, sondern Musiker, die tolle Songs schreiben können, Der Gesang ist sehr sauber, manchmal gar opernhaft, die Instrumentierung abwechslungsreich und die Songs haben Wiedererkennungswert. Empfehlung und Kompliment. (Dirk)
Sieges Even : "The Art Of Navigating By The Stars" (InsideOut/SPV) (9/63:37)
Eine der Speerspitzen des deutschen Progressive Rock meldet sich mit einem fulminanten Album zurück. War das letzte veröffentlichte Album "Uneven" aus dem Jahre 1997 noch härter, eher Prog Metal, so spielen Sieges Even mittlerweile lupenreinen Progrock, von Metal keine Spur. Und das ist in diesem Fall auch gut so, denn das Ganze klingt reifer, melodischer. Dazu beigetragen hat auch der neue Sänger Arno Menses aus Holland, dessen Stimme mir gut gefällt. Der längste Song steht mit "The Weight" gleich am Anfang, nach dem witzigerweise quasi als Titeltrack bezeichneten halbminütigen Intro "Navigating By The Stars". Schön relaxt kommt der Opener daher. Da ist "The Lonely Views Of Condors" schon rockiger, aber alles im angenehmen Rahmen. Ich höre da schon kritische Stimmen, die genau diesen Schritt zu mehr Melodie und weniger Härte bemängeln werden. Mir gefällt diese Ausrichtung der Band ausgesprochen gut. So ist "Unbreakable" ein gutes Beispiel für Progrock mit rhythmischen Sequenzen, heftigen Riffs und dann wieder balladesken Tönen mit gezupfter Gitarre, ehe dann die Gitarre wieder verzerrt daher kommt. Das alles sehr eigenständig und nicht wieder der hundertste Aufguss auf die Vorlagen von Dream Theater. Schön auch "Blue Wide Open" mit Acapella-Intro. Einfach eine Scheibe zum Genießen. Ein Pflichkauf für alle Progrock-Fans. (Ralph)
Sinner : "Mask Of Sanity" (MTM/SPV; 12/49:51)
Mit dem neuen Album "Mask Of Sanity" orientieren sich Sinner stark an den Trademarks der Band. Soll heißen: jeder, der die Band zuletzt in den 80-er Jahren mit "Danger Zone" gehört hat, kann die Jungs auf jeden Fall wiedererkennen. Und das, obwohl aus dieser Zeit nur noch Obersünder Mat Sinner an Bord ist. Aber genau auf den kommt es ja - nicht nur als Namensgeber - maßgeblich an. Natürlich ist der Sound aktuellen Standards entsprechend und das Album daher gut produziert. Bereits im Opener "The Other Side" gibt es Twin Guitar-Anklänge, so dass ich von den Jungs am liebsten mal eine Coverversion von Thin Lizzy´s "Holy War" hören möchte. Hallo Mat, lässt sich das arrangieren? Irgendwie hat der Lizzy-Sound auch ein wenig Einfluss auf den Gesang von Mat Sinner gehabt, man höre nur "Diary Of Evil". Das ist mir am Anfang in den 80-ern gar nicht so aufgefallen. Aber auch die für Sinner typischen stampfenden Gitarren sind da. So muss Heavy Metal klingen. Eine absolute Top-Scheibe, die man sich als Metal-Fan einfach in den Schrank stellen muss! Klarer Fall für den dauerhaften Verbleib in unserem Archiv. (Ralph)
Sodom : "Sodom" (Steamhammer/SPV) (11/43:08)
Nachdem Sodom ja vor kurzer Zeit erst ihre erste DVD "Lords Of Depravity Part I" herausgebracht haben (übrigens ein netter Einblick in die Ruhrpott-Metalszene und ihre Entwicklung, die man heute mit manchem Schmunzeln nochmal Revue passieren lassen kann), veröffentlichen die Jungs um Tom Angelripper nun ein selbstbetiteltes neues Studioalbum. Das Line-Up Angelripper/Bernemann/Schottkowski bietet den Fans sicher nichts ungewöhnlich Neues, aber immerhin ein Album mit typischem Thrash Metal, für dessen Entwicklung seinerzeit sicher Slayer und Venom Pate gestanden haben. Daneben gibt es aber auch leicht andere Kost wie den stampfenden Rocker "Buried In The Justice Ground". Kurz und schmerzlos (unter drei Minuten) kommt hier auch der DVD-Titel "Lords Of Depravity" als Songtitel zum Zuge. Alles in allem machen Sodom nach wie vor keine Gefangenen und sicher auch keine neuen Freunde. Die alten Freunde werden das neue Album aber sicher willkommen heißen. Pflichtkauf für Fans der Band und solche, die es werden wollen. (Ralph)
Solemnity: "Shockwave of steel" (13 tr, 66min)
True'er kann Metal nicht mehr sein. Ein Metalcover, bei dem Manowar Pate standen, typische Metaltexte, ein Tempo, das echte Heaviness verbreitet, eine gelungene Produktion, einprägsame Songs und das Ganze als Privatpressung. Solemnity sind keine Turnbeutelvergesser, sondern echte Metaller. Und zur Krönung eine Coverversion von Aria in russischer Originalsprache gesungen. Danke!!!! Kaufen, und wenn Ihr schon dabei seid, nehmt die anderen CDs auch. (Dirk)
Solemnity: "Another bloody sabbath" (privat, 6tr, 31min)
Das aktuelle Werk von Solemnity ist ein Mini-Album mit 6 tracks. Das Cover ist etwas simpler gehalten, als wir es gewohnt seid, aber der Inhalt ist gewohnte Meisterklasse undergroundigen Metals. 'Hache de guerre' ist eine Eigenkomposition auf französisch, es folgen ein neues Stück, ein Manilla Road Coversong und einer von Cirith Ungol, sowie 2 hörbare Livestücke. Alles in allem ein Pflichtkauf. (Dirk)
Spittin Jonah: "Louder thank hell" (privat, 2000, 13tr, 54'27min)
Vor 6 Jahren erschien in den USA eine nicht weiter erwähnenswerte Metal-Eigenpressung mit 13 Songs ohne Wiedererkennungswert. Warum ich dann eine Kritik schreibe, weil der Nachfolger (s.u.) ein Hammer ist... (Dirk)
Spittin Jonah: "Sphere of resistance" (privat, 2005, 8tr, 39'11min)
Erstaunlich, es ist die gleiche Band wie 5 Jahre zuvor und doch ... erst mal sind sie auf dem Photo alle mächtig in die Breite gegangen, aber das Songwriting Gott sei Dank auch. Aus uninspiriertem Durchschnitt wurde ein tieferer, druckvoller Sound, das Songwriting ist mittlerweile die Stärke der Band, man bewegt sich zwischen Manowar und frühen Wizard, bleibt immer im Midtempo und schafft Songs mit Identität, HEAVYness und Power. Alles richtig gemacht. (Dirk)
Spock´s Beard : "Spock´s Beard" (InsideOut/SPV; 14/77:13)
Der Einstieg mit "On A Perfect Day" ist noch klassischer Prog, wie man ihn eben von SB kennt. Doch mit ihrem neunten Studioalbum bieten SB weit mehr als nur ein weiteres Prog-Album im typischen Fahrwasser. Mit dem nunmehr dritten Album nach dem Weggang von Neal Morse haben die Jungs wohl endgültig zu "ihrem" Sound gefunden. Der beinhaltet natürlich immer noch die bekannten Trademarks, ist aber bei einigen Titeln direkter, ja rockiger könnte man sagen. Böse Zungen würden sagen: nicht so kompliziert und vertrackt. Beispiele für diese neuen Gehversuche sind der straighte Rocker "Is This Love" mit einer Spielzeit von gerade mal 2:51 Minuten und das blusig angehauchte "Sometimes They Come, Sometimes They Go". Doch keine Angst: die Longtracks, ausschweifende Passagen und die Mellotron-Klänge bleiben erhalten. Mit "As Far As The Mind Can See" ist auch ein 17-minütiger, in 4 Stücke unterteilter Konzeptteil dabei. Zusammenfassend kann man sagen: typisch SB mit einigen neuen Elementen, die das Werk bereichern und ihm eine eigene Position im Gesamtwerk der Band sichern. Pflichtkauf für alle Proggies und natürlich ein Tipp für alle Aufgeschlossenen. (Ralph)
Stairway : "The other side of midnight" (privat; 11tr / 61min)Melodischer Metal aus England, jenseits allen Tralalas bieten Stairway auf Ihrem 4. und bisher besten Album. Lange eingängige Songs, die ein bißchen Whitesnake, etwas NWOBHM und einen Schuß US Metal beinhalten. Interessante und abgedruckte Texte runden eine CD ab, die aufgrund ihres Status als Privatpressung nie die ganz große Aufmerksamkeit bekommen wird. Aber dafür sind wir ja jetzt da. (Dirk)
Steel Assassin: "War of the eight saints" (Sentinel Steel 2007, 11tr, 64'16min)
Ein Fabelwerk des Metal, der Höhepunkt am Ende des metallischen Jahres. So fasziniert war ich schon lange nicht von einer CD. Überragende Kompositionen, überlange tracks gekrönt vom abschließenden Titelstück. Komplexe melodische Songs, zwei unglaublich gute Gitarristen und die bekannt souveräne Stimme von Phil Grasso zeigen, daß man auch im Bereich klassischen Metals noch immer Platten aufnehmen kann, die absolute Pflicht sind. Diese CD darf man nicht verpassen. Textlich hält man sich im Fantasybereich, umschifft aber gekonnt alle Platitüden, Steel Assassin klingen nur nach Steel Assassin. Eindeutig der bisherige Höhepunkt im Schaffen Phil Grassos. Das Artwork von Sentinel Steel ist wie immer professionell und ansprechend, kann aber nicht ganz die gebotene musikalische Qualität wiederspiegeln. Ihr könnt die CD bei Phil Grasso und seinem Label GMT direkt bestellen, vergeßt dann nicht auch die anderen CDs, auch die von Madd Hunter mitzuordern, Ihr werdet es nicht bereuen. 100% (Dirk)
Stormgarde "Stormgarde" (privat 4tr, 18'07 min)
Eingentliches Zuhause dieses Demos ist das Internet, denn von der Bandpage kann man es kostenlos herunterladen. So ist das wohl gedacht. Die CD-Version ist vom Äußeren eher spartanisch, ist aber wohl auch gar nicht hauptsächlich beabsichtigt. Für ältere Menschen wie mich macht die Band aber mal ne Ausnahme. (Nein, es ist eine CDR, keine Schellack-Platte, so alt nun auch wieder nicht) 4 Titel epischen melodischen Metals mit weiblichem Gesang erinnern musikalisch eher an Gamma Ray als an Nightwish. Die Stimmung der Songs ist eher positiv, die Songs sind ausgefeilt und akzeptabel produziert, außerdem kommen die aus Recklinghausen, datt muß ja gut sein, sach ich ma! (Dirk)
StormWarrior : "Heading Northe" (Dockyard1/Soulfood; 11/45:22)
StormWarrior legen mit "Heading Northe" bereits ihr drittes Album vor und huldigen vom Image her der nordischen Mythologie. Musikalisch klingen sie eher wie eine Weiterentwicklung früher Helloween zu "Walls Of Jericho"-Zeiten. Genau dieser Ära haben sie wohl auch schon zusammen mit Kai Hansen gehuldigt und mit ihm Klassiker dieser Zeit live gespielt. Wenn man dann sieht, dass Piet Sielck dieses Album gemixt und Tommy Hansen das Mastering besorgt hat, dann weiß man, wo der Hase lang läuft. Anders als Kai´s Truppe Gamma Ray als legitimer Nachfolger der frühen Helloween selbst gehen StormWarrior bei der Verwaltung dieses Erbes noch direkter zu Werke, sind aber sicher artverwandt zu Gamma Ray. Ich würde aber sagen, dass die Bands sicher eher ergänzen als konkurrieren (den Wettstreit kann man ja auch nicht gewinnen, wenn das Original mit Kai Hansen noch mitmischt). Außerdem haben StormWarrior einen epischeren Touch und sind den ein Pflichtkauf für Fans des teutonischen melodischen Speed Metals. (Ralph)
The Street : "The Divine Debauchery" (Artist Service/Music Buy Mail; 12/48:36)
The Street stammen aus den USA, genauer gesagt aus Salt Lake City, Utah. Die 5-köpfige Truppe hat bereits 1997 ihr Debutalbum veröffentlicht und "The Divine Debauchery" ist bereits das sechste Album der Band. The Street spielen typischen US-Hardrock und sind auch schon mit allen Bands von Rang und Namen wie Warrant, Great White, Dokken, Lillian Axe und Skid Row aufgetreten, um nur einige zu nennen. Mir ist besonders die Ähnlichkeit zu Skid Row und deren ersten beiden genialen Werken aufgefallen, besonders die Nähe zu "Slave To The Grind". Daneben hat die Stimme des Sängers für mich irgendwie einen leichten Paul Stanley-Touch. Mit einigen modernen Elementen garniert schaffen es The Street dann auch, eine gewisse Eigenständigkeit über die Ziellinie zu retten. Ob man sich das Album aber angesichts der großen Konkurrenzangebote zulegt, sollte neben dem Geldbeutel sicher auch eine Hörprobe entscheiden - letztere ist ja in Zeiten des Internets einfacher als früher, wo man oft vergeblich beim Plattenhändler Ausschau halten musste. Ach ja: das Cover ist zwar originell mit der Lady mit Engelsflügeln, die frustriert ne Zigarette raucht (dürfen Engel sowas?) und den Slip lässig auf einen Fuss hat runterrutschen lassen (bestimmt für Engel auch verboten - und überhaupt: brauchen Engel Slips?), dafür "glänzt" das Booklet aber als Schmalspurversion als 4-Seiter ohne Texte. Auch darauf achten Käufer heutzutage. Also unterm Strich bleibt musikalisch ein positiver Eindruck, den ich mal als Optionskauf werte. (Ralph)
Survivor : "Reach" (Frontiers/Soulfood) (12/54:00) Lange genug mussten wir auf eine richtige neue Survivor-Scheibe warten, datiert doch der letzte Streich "Too Hot To Sleep" aus dem Jahre 1988. Danach gab es zwar noch das unter "Jimi Jamison´s Survivor" herausgebrachte "Empires", das aber ob des Fehlens anderer Mitglieder eher ein Soloalbum des Sangesbarden war, wenn auch beileibe kein schlechtes. Auf "Reach" sind neben Jamison nun zumindest mit Gitarrist Frankie Sullivan und Schlagzeuger Mark Droubay zwei weitere altgediente Recken mit an Bord. Der Einstieg in das Album ist mit dem Titeltrack sowie dem auch im neuen "Rocky"-Film zum Einsatz kommenden und besonders gut abgehenden "Fire Makes Steel" klassisch. Danach folgt mit "Nevertheless" der erste von zwei Songs, die Gitarrist Frankie Sullivan singt. Später ist er nochmal bei "Talkin´ ´Bout Love" zu hören. Gegenüber Jimi Jamison zieht er natürlich den kürzeren, doch passt seine Stimme immer besser zu den Songs, je öfter man sie hört. Besonders "Talkin´ ´Bout Love" ist schön eingängig, hat eigentlich alle klassischen Trademarks inklusive starken Hooklines. "Seconds Away" ist dann erstmals ruhiger. Überhaupt stellt das Album eine Mischung aus rockigeren Songs einerseits und nennen wir es mal besinnlicheren Songs andererseits dar. Meiner Meinung nach hätten Survivor den Anteil der besinnlicheren Songs ruhig mehr zurückfahren und mehr rockigere Songs bringen können. Die Album-Klassiker von Survivor kamen oft auch mit ein bis zwei Balladen aus. Mit "Gimmie The Word" und "I Don´t" sind auch noch starke rockigere Songs dabei, die allerdings nicht gerade unbedingt mit Survivor-typischen Hooklines aufwarten,aber trotzdem überzeugen. Unterm Strich ist "Reach" ein gutes Album, das sicher einen Pflichtkauf für alle Fans des Melodic Rock darstellt. Ein gelungenes Comeback, das allerdings nicht an meine Top 3 ("Eye Of The Tiger", "Vital Signs" und "Too Hot To Sleep") heranreichen kann. (Ralph)
Talisman : "7" ((Frontiers/Soulfood; 11/45:37)
Bei den Herren Soto, Jacob & Co. Kann man sich auch bei der "7" Gott sei Dank kürzer fassen, denn wieder einmal legen Talisman ein starkes Machwerk mit erdigem melodischen Hardrock erster Güteklasse vor. Das fängt bei dem Opener "Falling" an, geht mit dem potentiellen Hit "Nowhere Fast" in typischer Talisman-Manier weiter über funkige Elemente in "Succumb 2 My Desire" bis zum Schluss mit dem getragenen, balladesken "Back 2 The Feeling". Sicher bleiben die ersten beiden Talsiman-Scheiben immer noch die herausragenden Werke für die Ewigkeit für mich, doch auch "7" ist ein Pflichtkauf. (Ralph)
The Tangent : "Not As Good As The Book" (InsideOut/SPV; 7/50:48 + 2/43:59)
Das vierte Album der Retro-Progger ist ein Konzeptalbum und basiert auf einem von Mastermind Andy Tillison geschriebenen Roman selben Namens, der wohl auch separat bzw. mit der Special Edition erhätlich ist. Ungewöhnlicherweise sind die Songs für die Verhältnisse der Band - gemessen an den ersten drei Alben - erstaunlich straight und eingängig. Von den sieben Songs auf der ersten Disc finde ich persönlich den dritten und den sechsten Song weniger gut, da beide ein wenig ruhiger sind. Irgendwie wandeln The Tangent hier stärker auf den Spuren von Yes als sonst. Klingt aber gut. Alle Die hard-Proggies werden wohl mehr von den beiden Longtracks auf der zweiten Disc begeistert sein. Also ist für alle etwas dabei. Ein guter Optionskauf für alle Fans von progressiver Rockmusik. (Ralph)
Thunder : "Robert Johnson´s Tombstone" (Frontiers/Soulfood; 11/52:46)
Thunder legen auch mit ihrem nunmehr dritten Album nach dem Comeback ein Album vor, das keinen Freund von bluesigem Hardrock enttäuschen dürfte. Wenn ich jedoch all die euphorischen Kritiken einiger Magazine mit meinem eigenen Höreindruck abgleiche, komme ich zu dem Schluss, dass hier kein Hammeralbum abzufeiern ist, sondern Thunder "nur" ein ordentliches Album abgeliefert haben. Darüber würde sich sicher manch andere Band freuen. Der erste richtige Kracher ist für mich das fünfte Stück "The Devil Made Me Do It", das mit einigen "Highway To Hell"-Reminiszenzen daherkommt, aber doch originell genug ist. Das folgende "Last Man Standing" weiß mit "Kashmir"-artigem Riffing zu überzeugen. Auch die letzten vier Stücke "Andy Warhol Said", "What A Beautiful Day", die Ballade "It´s All About You" und der Rausschmeißer "Stubborn Kinda Love" (mit "Sweet Home Alabama"-Gedächtnisriff) sind über dem Durchschnitt. Doch sechs Stücke von insgesamt elf machen kein Überalbum aus diesem Werk. Wohl ein Pflichtkauf für Thunder-Fans, für alle anderen eher ein Optionskauf. (Ralph)
Tierra Santa : "Mejor Morir En Pie" (Locomotive/Soulfood; 11/41:56)
Seit geraumer Zeit huldigen Tierra Santa ja nicht mehr wie zu Anfang noch Iron Maiden, sondern eher dem traditionellen Hardrock a´la Rainbow & Co. Daneben haben sie auch ihren eigenen Touch. Oftmals hört man Twin Guitar-Harmonien, einzeln wandern die Gitarren gerne auf den Spuren von Ritchie Blackmore. Der Hitfaktor ist extrem hoch und fängt gleich mit dem Titeltrack als Opener an, stark auch z.B. "Magia". Interessant ist auch der Bonustrack "Himno A La Alegria", eine an Rainbow angelehnte Bearbeitung der "Ode an die Freude" von Beethoven. Wer auf klassischen Hardrock steht und sich nicht an den spanischen Texten stört - was man nicht sollte - der muss hier einfach zugreifen. Pflichtkauf! (Ralph)
Tourniquet: "Where moth and rust destroy" (2003 Metal Blade, 9tr, 61min)
Warum ich hier eine regulär im Handel erhältliche CD bespreche? Die auch schon 5 Jahre auf dem Buckel hat? Deren Cover wohl jeden Freund von Qualitätsstahl abschreckt? Weil der Inhalt ein Hammer ist, weil mir der Titeltrack seit einer Woche nicht aus dem Kopf geht und weil die CD oft für einen Appel und ein Ei verramscht wird. Tourniquet zelebrieren progressiven Powerthrash, das klingt erst nach mal nach wenig nachvollziehbaren Frickelfratzkompositionen, aber sie verstehen es, diese Musik auch noch eingängig und melodisch zu gestalten. Ein Vergleich mit anderen Bands fällt schwer, Tourniquet sind ziemlich einzigartig. Ein überragender Sänger und tolle Texte krönen dieses Highlight christlichen Metals, vergeßt die Bibelwerfer der 80er Jahre. Sie haben alles in allem 6 Alben aufgenommen und alle sind hörens- und sammelnswert. Warum man so ein Sch***cover auf so eine geniale CD nageln muß, ist mir ein Rätsel, der Qualitätsunterschied ist ähnlich frappant wie dereinst bei Martyr. Ach ja, Marty Friedman spielt hier Gitarre, Hammerteil (Dirk)
Tribal: "Higher" (privat, 2006, 3tr, cardboard CD)
Softer als das Langeisen sind hier zwei AOR-Songs am Start, die gut ins Gehör, aber leider auch schnell wieder rausgehen. Kamm man haben. Warum auf einer 3track Demo CD der dritte track ein radio edit des ersten sein muß, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. (Dirk)
Tribal: "Cardboard heroes" (CH, privat 2005, 13tr, 55'27min)
Eine schöne Eigenpressung erreichte mich vor einigen Tagen aus der Schweiz. Rock mit intelligenten Texten klingt erst mal nach Oberstufe, aber wir haben es hier mit gestandenen Musikern zu tun. Womit kann man die Musik vergleichen? Vielleicht U2 zu Joshua Tree Zeiten, falls der Sänger von den Toy Dolls bei denen eingestiegen wäre. Klingt skurril, funktioniert aber erstaunlich gut. Balladen bis Midtempo dominieren dieses Album, bei 13 tracks ist naturgemäß mal ein kleiner Hänger dabei, aber man merkt allen Songs die Vorteile der Eigenpressung an. Die Band hat Zeit, die Songs reifen zu lassen, bevor sie ins Preßwerk gehen und geboten werden eine sehr gute Gitarrenarbeit, ein herausragendes Artwork und eine erstaunliche Eigenständigkeit, wendet Euch zwecks Erwerb an die Band, falls Eure musikalischen Interessen nicht schon bei Destruction aufhören (Dirk)
Special: die Trouble-Reissues
Trouble : "Psalm 9" (Escapi/Edel; 9/43:28 + Bonus-DVD)
Trouble : "The Skull" (Escapi/Edel; 7/43:10 + Bonus-DVD)
In einem ersten Aufschlag haben Escapi die bislang vergriffenen ersten beiden Alben von der Doom Metal-Ikonen aus Chicago als hochwertige Neuauflagen jeweils mit einer Bonus-DVD veröffentlicht. Das Booklet ist jeweils vorbildlich und enthält neben Songtexten auch informative Liner-Notes und Fotos. Die CDs stecken zudem in einem Pappschuber mit dem Coverartwork. Sind also die beiden Reissues bereits optische Leckerbissen, können sie in akustischer Hinsicht noch mehr beindrucken.
Das von der Band mit Bill Metoyer produzierte Debut "Psalm 9" erblickte 1984 das Licht der Öffentlichkeit und etablierte die Jungs von Trouble im US-Metal. Wohl aufgrund einiger schleppender Parts, auf dem Debut gleich beim Opener "The Tempter", ist bei Trouble immer von Black Sabbath-Einflüssen und Doom Metal die Rede. Das ist nicht ganz verkehrt, aber auch nicht ganz richtig, denn die Jungs können auch ganz schön Gas geben. Auch das hört man bereits im Opener, wo sich beide Teile des Sounds brüderlich abwechseln. Im nachfolgenden "The Assassin" wird noch mehr gerockt, ehe "Victim Of The Insane" wieder die doomige Seite bedient. "Revelation (Life Or Death)" beginnt langsam, spielt dann aber wieder auf beiden Klaviaturen. "Bastards Will Pay" ist dann hauptsächlich schnell mit ein bisschen Doom im Mittelteil. Vergleichen kann man die schnelleren Songs/Parts sicher mit dem typischen US-Metal der 80-er Jahre, die frühen Fates Warning der John Arch-Phase mögen da als (bitte nur grober) Anhaltspunkt dienen. Auch wenn man es vom Titel her kaum ahnt, ist "The Fall Of Lucifer" ein schnelleres Stück. Gerade bei dem Titel sei gesagt, dass Trouble mitnichten eine okkulte Band oder gar Satansjünger, sondern eine christliche Band sind. Das hört man aber der Musik Gott sei Dank nicht an, da Trouble nicht wie z.B. Stryper quasi nebenbei als Prediger unterwegs sind. Wer die Texte allerdings aufmerksam liest, dem wird nicht entgehen, dass diese doch christlich geprägt sind - aber eben nicht aufdringlich. Die doomige Seite wird dann wieder bei dem Instrumental "Endtime" bedient. Es folgt der Titeltrack, der größtenteils im Midtempo gehalten ist, ehe das Album mit einer Coverversion des Cream-Klassikers "Tales Of Brave Ulysses" abgeschlossen wird. Was man von solchen Coverversionen hält, ist sicher immer Geschmackssache und hängt auch viel davon ab, ob man das Original kennt und schätzt. Ich finde aber, das sich Trouble recht wacker geschlagen und eine ordentliche Version des Cream-Songs abgelegt haben, bei der sie auch ihren eigenen Sound haben miteinfließen lassen. Die Bonus-DVD enthält dann die "Public Access cable show 1982" mit einem dreiteiligen Interview mit der Band, bei der nach jedem Interviewteil ein wohl im Studio live gespielter Song folgt. Es handelt sich dabei um "The Assassin", "Psalm 9" und "Victim Of The Insane". Alles in allem ist diese Neuveröffentlichung sicher ein Pflichtkauf und ein klarer Fall für den dauerhaften Einzug in unser Archiv.
Einige Worte noch zum Sound, bevor ich zur Rezension des Nachfolgealbums "The Skull" übergehe: Aushängeschild von Trouble war und ist sicher Sänger Eric Wagner mit seiner hohen und zugleich rauhen Stimme. Aber keine Sorge für Neueinsteiger: an Erics Stimme scheiden sich sicherlich nicht so viele Geister wie z.B. bei Tim Baker von Cirith Ungol oder bei King Diamond. Verglichen mit den beiden Herren ist Mr. Wagner fast normal. Interessant ist im Hinblick auf den (instrumentalen) Sound auch das Statement von Gitarrist Rick Wartell, dass Trouble so heavy sein wollten wie Black Sabbath mit den gedoppelten Gitarrenlinien von Judas Priest (gemeint ist natürlich der Twin Guitar Sound wie z.B. bei Thin Lizzy, Iron Maiden und Judas Priest). Nachhaltig beeinflusst sehen sich die Jungs von Judas Priest´s Album "Sad Wings Of Destiny". Da komme ich dann wieder zurück zum Gesang von Eric Wagner, bei dem man als Einfluss sicher auch Rob Halford ausmachen kann.
Das zweite Album "The Skull" hat erneut Bill Metoyer - diesmal allein und nicht mit der Band zusammen - produziert. Im Original ist "The Skull" 1985 erschienen. Mit diesem Album haben Trouble seinerzeit einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht. Zwar hat das Debutalbum sicher allein aufgrund des erstmaligen Erscheinens der band Kultstatus, doch ist nach meiner Auffassung "The Skull" wohl noch mehr das Kultalbum von Trouble. Der Opener "Pray For The Dead" wird quasi reinge-"faded" (sonst kennt man ja eher ein fade out - hier ist es wohl ein fade in) und ist im Midtempo gehalten, hat deutlich doomige Züge und Eric Wagner singt hier stellenweise tiefer und weniger rauh - keine Angst: nur stellenweise. Es folgt das schnelle "Fear No Evil", bevor mit dem dritten Song ein kleines Meisterwerk kommt: "The Wish" mit einer Spieldauer von über 11 Minuten! Der Song beginnt mit gezupften Gitarren und klarem, tiefem Gesang, ehe nach etwa einer Minute doomige Metal-Gitarren und der typisch hohe Gesang einsetzen. Nach 3 Minuten und dem Aushallen eines schweren Riffs setzen dann wieder die Akustikgitarren und der klare Gesang ein, um dann wieder Platz für ein über schleppende Riffs gelegtes Gitarrensolo zu machen. Es folgen Twin Guitars pur, ehe der nächste Solo-Part einsetzt. Dann kommt noch ein rockigerer Part, der sich dann nochmal mit schleppenden Parts abwechselt. Kurz vor Toreschluss gibt es nochmal einen schnellen Solo-Part, bei dem der Bass auch ein wenig mitdudeln darf. Da kann ich nur festhalten: "The Wish" ist ein echter Klassiker - Stahlherz, was willst du mehr? Danach muss man sich erst einmal bei dem eine Spur geradlinigeren "Truth Is / What Is" erholen, das auch ein wenig bluesig ist. Es folgt "Wickedness Of Man", bei dem sich wieder in klassischer Trouble-Manier schleppende und schnelle Parts abwechseln. Den Trouble-Geschwindigkeitspreis gewinnt sicher das Intro von "Gideon", aber auch im weiteren Verlauf rockt der Song für Trouble-Verhältnisse recht straight, aber gut. Gerade diese Abwechslung macht Trouble meines Erachtens viel interessanter für den durchschnittlichen Metal-Fan als die reinen Doom Metal Bands, die einem nur schleppende und tonnenschwere Riffs um die Ohren hauen. Was kann man sich dann noch mehr wünschen, als einen das Album schließenden kultigen Titeltrack? "The Skull" beginnt hypnotisch beschwörend mit einer gezupften Gitarre und einer Gitarre, die verzerrte schwere Riffs und Harmonielinien liefert. Im Refrain liefern dann beide Gitarristen schwere Riffs. Gegen Ende geht es dann ins Galopp-Tempo über mit kultigen Twin Guitar-Harmonielinien. Einfach ein gelungener fetter Abschluss. Die Bonus-DVD liefert ein 16 Stücke (!) umfassendes Konzert namens "Captured Live At Malos" in Aurora, IL aus dem jahre 1984. Unter den Songs sind natürlich die von "Psalm 9" und "The Skull", aber auch z.B. schon "Run To The Light" und drei Coverversionen: neben dem schon auf dem Debut enthaltenen Cream-Cover "Tales Of Brave Ulysses" sind hier noch eine Version von Black Sabbath´s "Children Of The Grave" und "Heart Full Of Soul" von den Yardbirds zu finden. Kritikpunkt ist hier die sehr dürftige Bildqualität des Live-Materials. Das kann man wohl nur als historisches Dokument und als Zugabe sehen. Aber man kann die DVD ja notfalls auch ohne Bild abspielen und sich nur den Ton reinziehen. In jedem Fall ziehe ich die Bonus-DVD des Debutalbums mit der "Public Access cable show" vor. Bezogen auf das egentliche Album ist "The Skull" wohl noch mehr als "Psalm 9" ein absoluter Pflichtkauf und zieht bei uns natürlich dauerhaft ins Archiv ein. (Ralph)
UFO : "One Of These Nights - The Collection" (Sanctuary/Rough Trade; 13/57:53 + 15/76:24)
Bei diesem Doppeldecker handelt es sich nicht etwa um eine neue Best Of, sondern um eine Zusammenstellung des "High-Stakes And Dangerous Men"-Albums aus 1992 mit dem zusätzlichen Track "Long Gone" auf der ersten Disc und dem "Live In Texas"-Mitschnitt aus 1979 sowie Auszügen aus dem "Lights Out In Tokyo"-Album aus 1992 auf der zweiten Disc. Von UFO gibt es ja saustarke Alben, aber auch weniger gelungene Releases. "High-Stakes..." gehört eindeutig zu den besseren Veröffentlichungen, auch wenn es nicht an die Schenker-Ära heranreicht. Doch Lawrence Archer (Stampede/Grand Slam/Wild Horses) spielt hier eine mehr als achtbare Gitarre, zu hören beispielsweise am Ende von "Back Door Man", das ebenso wie "One Of These Nights" mit zu den Klassikern der 90-er Phase von UFO gehört. Dazu gesellt sich ein Phil Mogg in bestechender Form. Die Livetracks auf der zweiten Disc sind ein schönes Beiwerk, vor allem die Live-Präsentation des Studio-Line-Ups aus 1992. Dazu gesellen sich informative Liner Notes, die mich nur eines vermissen lassen: die Lyrics der "High-Stakes..."-Songs. Bin mir zwar nicht sicher, ob die LP diese hatte, aber beim Reissue hätten diese nicht geschadet. Pflichtkauf für traditionelle Hardrocker, die das "High-Stakes..."-Album und die "Lights Out In Tokyo"-Scheibe noch nicht ihr eigen nennen. (Ralph)
Uninvited Guest : "Malice In Wonderland" (Maddening Media/Alive; 13/50:18)
Aus dem britischen Königreich stammt dieser obskure Vierer, der mit Dean Hathaway sicher einen Sänger mit Wiedererkennngswert und starker Stimme in seinen Reihen hat. Man hat allerdings das Gefühl, dass der Gute Dean nicht unbedingt ein Rocksänger ist, sondern auch gerne mal ein bisschen "sülzt". Dazu kommt, dass die Band sich selbst dem Gothic Rock nahe einsortiert und nach meiner Einschätzung gerade mal drei Songs als Hardrock angesehen werden können. Dafür findet man aber Walzerklänge, die schon fast in Schlagerbereiche vordringen wie bei "Strange Gothic Romance" oder einen Song mit Gesang im Stil von Max Raabe. Dann gibt es fast nur auf die Stimme zugeschnittene Songs mit sparsamer Instrumentierung wie "The Law Of The Playground", wo wohl der Fokus auf die Texte gerichtet sein soll. Speziell diesen Text kann ich nicht ganz nachvollziehen: wird hier davor gewarnt, einen Loser in den Suizid zu treiben oder wird hier ein Suizid als Ausweg propagiert? Letzteres fände ich nicht gelungen und würde es heftig kritisieren. Sicher ist das hier mehr Avantgarde als harter Rock. Das heißt soviel wie: ist wohl weniger für unsere Leser als vielmehr für die Freunde der Dunkelheit geeignet. In jedem Fall gilt: bei Interesse erst einmal reinhören. (Ralph)
Vacant Planet "Imaginary places" (privat, 4tr, 29'40 min)
Prog aus Deutschland hat sich längst von dem Image Pink Floyd Fans mit Betroffenheitslyrik freigemacht. Stattdessen bietet man im Falle von Vacant Planet 4 überlange Songs, die Texte haben Tiefgang ohne eine Message aufzudrängen und musikalisch wandelt man auf den Pfaden Hardrock, Metal, Prog und variiert das Tempo, so daß alle Songs Spannung haben und sogar ein bißchen Eigenidentität der Band spürbar wird. Macht Spaß, Euch zuzuhören, Pflichtkauf (Dirk)
Valkyrie's Cry "Black knight" (privat, CDR, 5tr, 18'34min)
20 US$ incl P&P rufen die Kanadier für ihren selbstgebrannten 5tracker auf. Stolzer Preis, aber ist die Mini-CD das wert? Das Cover verheißt tonnenschweren Underground-Kult, auch wenn die 'Amazone' aussieht wie Conan mit Möpsen. Der Inhalt klingt aber eher nach Hausfrauenreport. 20$ kann man besser investieren. Hier bekommt man 5x hohen Gesang, der gerne mal daneben liegt und einfallslose Songs. Underground und Metal zwar, aber ohne Überraschungen, ohne Variationen. Übt noch mal das Songwriting, baut Conan die Möpse ab und kommt in ein paar Jahren wieder. Und wie sagte schon Tulsa Doom: Was ist Stahl gegen die Hand, die ihn führt? (Dirk)
Vanize: "Raw" (Rockwerk, 11tr, 37'44min)
Die Band vom 'kleinen' Dirkschneider, nämlich Peter. 11x hymnischer Hardrock, der mehr als einmal an eine Light-Version von Accept erinnert. Es ist bereits das 4. Werk der Accept-soundalikes. Da ist es eigentlich schade, wie dicht sie im Windschatten von UDO segeln. So nah dran, kann man sich nicht aus dem übermächtigen Schatten befreien kann, obwohl die Songs an sich alle sehr hörenswert sind. Aber es könnte eben auch ne 'unreleased'-b-side-compilation von Solingen's finest sein, zwiespältige Angelegenheit also (Dirk)
Vertigo : "2" (Frontiers/Soulfood; 10/39:41)
Jospeh Williams (Ex-Toto, hat "Fahrenheit" und "The Seventh One" eingesungen) legt ein zweites Album mit für ihn maßgeschneiderten Songs vor, von denen er diesmal sogar einen selbst mitkomponiert hat. Das zweite Vertigo-Album ist von den Songs her stärker, dafür aber leider schwächer produziert als das Debut - eine für Fabrizio Grossi ungewöhnlich dumpfe Produktion. Dafür sind hier nicht nur 3 gute Titel dabei, sondern man kann das ganze Album gut durchlaufen lassen. Songs hervorzuheben fällt mir zwar schwer, doch besonders gut gefällt mir "Holy" - für mich ein kleiner Hit. Für Fans des Melodic Rock wohl ein Pflichtkauf, vor allem wenn zu der guten Stimme noch eine gute Gitarrenarbeit dazukommt, für die nämlich Alex Masi verantwortlich war. (Ralph)